Montag, 24. Januar 2011
[hm]
Also, vielleicht formuliere ich es mal als Frage:
Stellt Euch vor, Ihr habt ein Kind oder zwei Kinder. Und dann ist da eine Bekannte, die ist irgendwie nett, aber man hat ja auch viel zu tun mit Kindern und man wohnt auch nicht so nah beisammen, es ergibt sich einfach nicht, daß man sich vielleicht mit höherer Frequenz sieht. So. Und diese Bekannte, die strickt dann für die Kinder Filzpuschen.
Die Puschen sind fertig, sie ruft an und spricht auf den Anrufbeantworter. Dann läßt sie, als sie in der Stadt ist, die Puschen bei anderen Leuten, damit Ihr sie dann dort abholen könnt, denn es ist ja nicht so weit und es ergibt sich vielleicht früher, daß man das in Empfang nehmen kann.
Das Kind von diesen Leuten wiederum ist ganz begeistert von den Puschen, was besonders ist, weil das Kind Kleidung an sich öfter nicht mag und sich die einfach auszieht. Die Puschen zieht das Kind aber an.
Die Bekannte ist gerührt und strickt auch für dieses Kind Puschen und schickt sie mit der Post, wegen der Entfernung und der geringen Besuchsfrequenz.
Und jetzt die Frage: ist es normal, daß Leute mit Kindern das dann einfach mal so gottgegeben hinnehmen und sich nicht melden, kein Anruf, keine Mail, kein "Danke, ist angekommen"?
Und nach Monaten der Irritation muß man dann noch explizit nachfragen, damit sich diese Leute in Erinnerung rufen können, daß da dann mal was mit der Post gekommen ist, was das Kind mit Begeisterung trägt?

Und es es normal, daß ich mich jetzt richtig blöd fühle, als hätte ich mich angebiedert und sei vor eine Wand gelaufen.
Und noch blöder fühle ich mich, weil ich nämlich eine Kinderstrickjacke gemacht habe für das kleine Mädchen und ich habe jetzt leider keine Verwendung mehr dafür, denn ich trage auch niemandem was hinterher, der's irgendwie nicht wirklich will. War nämlich Arbeit und kostet auch Geld.
Also hat jetzt jemand ein etwa 2-jähriges Mädchen und möchte gerne eine Strickjacke* (gegen Materialpreis)?




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*Es handelt sich bei der Jacke um Mini Manu von Kate Davies

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Und es es normal, daß ich mich jetzt richtig blöd fühle, als hätte ich mich angebiedert und sei vor eine Wand gelaufen

Um es mit einem Wort klipp und klar zu sagen: Ja.

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Vielleicht ist die Frage ja auch falsch gestellt: habe ich mich jetzt angebiedert und fühle mich deshalb mit Recht schuldig?

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Das ist der schwierigere Teil der Frage, der per Ferndiagnose nicht abschließend beantwortet werden kann.

"schuldig" scheint mir jedenfalls ein paar Nummern zu groß, wir reden hier nicht von Verbrechen, sondern allenfalls von einer kleinen Grenzüberschreitung. Da hätte die Gegenseite ja auch die Chance gehabt, zu signalisieren, "ach, Du, lass mal".

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Normal ist das natürlich nicht, sich einfach nicht zu melden. Ich würde dann erstmal denken, dass die Post evtl. nicht angekommen ist.

Blöd vorkommen müssen Sie sich nicht. Sie haben etwas Nettes gemacht. Eine großartige Grenzüberschreitung sehe ich hier nicht, schließlich kennen Sie die Leute und die ließen ihr Kind ja offensichtlich auch schon die Puschen des ursprünglichen Puschenkindes anziehen, so dass eien generelle Abneigung auscheidet. Es mag Leute geben, die mit unerwarteten Geschenken aus diversen historischen/charakterlichen Gründen Probleme haben, diesen Schuh müssen Sie sich aber nicht anziehen, nur die Enttäuschung, dass kein freudiger Dank kommt, müssen Sie mit sich selbst ausmachen (weil Sie ja auch ungefragt geschenkt haben), sich Anbiedernd fühlen aber keinesfalls, denn das war ja weder Ihr Ansinnen noch eine m.E. logischer Ansatz beim Puschenschenken.

Was ich mir auch vorstellen kann ist, dass die Leute es schlichtweg verpennt haben, sich zu melden. Das heißt nicht, dass ich das gut finde, aber ich kann mir vorstellen, dass mir das *hüstel* evtl. auch schonmal passiert sein könnte. Man will anrufen, hat die Nummer nicht greifbar, denkt dann ach, ein Kärtchen wäre nett, und da mach ich dann ein Foto rein von dem Kind mit den Puschen, das machen wir sobald das Kind mal wieder gewaschene Haare hat, oh, jetzt ist der Akku leer, oh, nun ist Wochenende und der DM hat zu und ich kann gar kein Bild drucken lassen, oh, ich hab keine Briefmarke, oh, mir fehlt die Postleitzahl - etc., Sie wissen...
ABER: wenn dann die Person telefonisch nachfragt, wäre ich außerordentlich zerknirscht, würde mich bedanken und entschuldigen. Das ist das Mindeste.

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Ich habe immer wieder die Beobachtung gemacht, dass Leute mit Kindern es manchmal nicht schaffen, über die eigenen vier Wände hinauszudenken. Das ist jetzt nicht als Boshaftigkeit von mir gemeint - ich weiß, dass die Umstände manchmal (oder vielleicht auch meistens) so sind, dass Eltern eine Bezillion anderer Dinge im Kopf haben. So gesehen z.B. bei meiner Schwägerin, Mutter von drei Kindern. Sie vergisst regelmäßig Geburtstage und man merkt den Geschenken dann an, dass sie notmäßige Last-Minute-Behelfe sind. "Danke" sagt auch sie selten. Von Terminabsprachen und Rückmeldungen hält sie wenig...

Ich glaube nicht, dass alle Eltern so verpeilt sind, aber man spürt, dass das Lebenszentrum ein vollkommen anderes ist. Deswegen nimm Dir nicht zu sehr zu Herzen, wenn weder Dank noch Rückmeldung kommt - das ist manchmal so und muss nicht persönlich gemeint sein. Die Puschen gingen möglicherweise unter zwischen "Oh Gott, ich muss die Kleine noch zum Ballett fahren!" und "Was mach' ich heute bloß zu essen...?" und tauchen im Alltag vielleicht immer mal wieder als Gewissensbisse in Form von "Eigentlich sollte ich sie noch anrufen und "Danke" sagen..." auf.

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so seh ich das auch.....einfach dem Problem mit den tausenden von Prioritätsentscheidungen am Tag geschuldet....

Schade um das Jäckchen..... Habe leider keine Tochter in dem Alter....aber wenn du gerne Socken strickst: an mir hättest du einen dankbaren Abnehmer. (Natürlich gegen Bares...) - es geht nichts über selbstgestrickte Wollsocken!!!

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Danke für die Rückmeldungen.
Vielleicht noch als Hinweis: die Geschichte ist natürlich stark gekürzt und komprimiert wiedergegeben, die Randaspekte und Irritationen drumherum kann man ja nicht alle wiedergeben.
Ich glaube, wenn jemand drei Kinder hat, dann ist der Streß sehr nachvollziehbar, und auch meine Kollegin war mit einem Kind schon mehr als ausgelastet, hat das aber auch immer durchblicken lassen bzw. man hat es deutlich gespürt, daß da wenig Platz anderes ist. Hier gibt es aber auf der einen Seite auch "nur" ein Kind bei recht entspannt wirkenden Eltern.
Es ist immer eine individuelle Sache und Gründe kann es viele geben.
Was mir Bauchschmerzen macht, ist der Interpretationsspielraum, den gerade so ein loses Beziehungsgeflecht läßt, wo ich solche Unachtsamkeiten dann gerne mal zu meinem persönlichen Nachteil auslege, gerade im Kontext eigener familiärer Probleme und der Wohnsituation (Vermieter), wo ich viel mit Ablehnung / Konflikten zu kämpfen habe, hat mich das einfach völlig hilflos und auch traurig dastehen lassen.

Socken stricke ich nicht. Keine Ahnung eigentlich, warum. Reizt mich einfach nicht. Vielleicht mal bei ringelmiez.de fragen. Puschen immer gerne oder auch ausgefallene Accessoirs. Für die kommende Saison stehen aber eindeutig (Filz-)Taschen auf dem Programm und ggf. Sachen von Frau Hargreaves.


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