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Montag, 4. Juli 2011
[Von Null auf hundertachtzig!]
midori, 14:01h
Es gibt ja Leute, die bringen mich in Nullkommanix auf 180. Am Wochenende gleich zweimal!
a)
Ich im Baumarkt. Will Blumendünger kaufen. Wo ich schonmal da bin, kaufe ich auch noch ein paar Blumen, weil die Stiefmütterchen vom Frühjahr nun doch größtenteils hin sind. Und dann, achja! brauche ich ja noch Abdeckplättchen für Schraubköpfe, die sind bei den Schrauben. Ich steuere in den Gang, wo natürlich genau die Farbe und Größe, die ich brauche, ausverkauft ist. Bei der Nachordermentalität in dem Baumarkt sind die wahrscheinlich frühestens in 8 Wochen wieder zu haben. Nehme ich halt noch eine Aluleiste mit, quasi ein Spoiler (aka Spritzwassserschutz für Kanten, über die Wasser in die Spanplatte dringen könnte) für unseren neuen Waschtisch.
An der Kasse lege ich die Leiste zuerst auf's Band und frage dann das junge Ding "Hätten Sie vielleicht einen Karton für mich, für die Blumentöpfe?", denn der Baumarkt hat kostenlose Faltkartons für solche Zwecke vorrätig, ich bin ja nicht das erste mal da.
Das junge Ding schaut mich erst fragend an und schaut sich dann betont lustlos in ihrem Kassenbereich um, öffnet eine Schublade, schließt sie wieder, schaut einmal in den Fußraum, schaut dann wieder mich an und blökt: "Da müssen Sie an der anderen Kasse fragen." Ich bin direkt pissed. Kann die ihren Arsch nicht bewegen? Na dann... "Ok, dann gehe ich zur anderen Kasse", sage ich, worauf sie sagt "Nein, das geht nicht, ich habe das hier schon eingebongt!" und weist auf die Aluleiste. Ich, noch mehr pissed, geht wortlos zur anderen Kasse und stelle mich dort an, wohlgemerkt ohne meine Waren, die lasse ich einfach bei Madame stehen. Leider verhindert ein Kassiervorgang an der anderen Kasse, daß mir direkt geholfen wird und so stehe ich eine Weile dort wartend, als es in meinem Rücken ruft "Wir haben Kartons gefunden, Sie können zurückkommen!" und ich sehe die kleine Chica mit einem diensteifrigen Kollegen, der wahrscheinlich nach Feierabend gerne mit ihr... ach, wasweißich..ich bin wahrscheinlich bloß so eine griesgrämige Alte mit schlechter Laune.
Aber ich frage mich, warum nicht gleich so???
b)
Wenn die Abdeckplättchen dagewesen wären und die Chica mich nicht so lange aufgehalten hätte, wäre ich wahrscheinlich noch pünklich genug daheim gewesen, um den Zug in den Nachbarstadt zu bekommen. War ich aber nicht. Also mußte ich mit dem Auto fahren, um pünktlich zum Sport zu gelangen. Weil der Weg mir nicht so geläufig ist, fahre ich einen Umweg, um mir bekannte Punkte passieren zu können. An einer Ampel steht vor mir ein Wagen, dessen Fahrerin irgendetwas nestelt und nicht mitbekommt, daß grün ist. Kein Thema. Kurz gehupt, die bemerkt es und fährt an. Nach dem Abbiegen schlingert sie aber etwas herum und zu spät verstehe ich, daß sie mich überholen lassen wollte. Leider war ich zu beschäftigt, eine Karambolage zu verhindern. Nun fährt sie vor mir her und programmiert offenbar ihr Navigationsgerät. Ey, geht's noch? Und ist hier Spielstraße, oder was? Ich meine, man kann ja zur nächsten Haltemöglichkeit fahren, sich an den Straßenrand stellen und alles in Ruhe machen. Stattdessen blockiert, nein, gefährdet diese Bratze den Straßenverkehr und obendrein mich und mein persönliches Wohlbefinden. Als sie auf eine Ampel zufährt, die gerade grün wird, aber stattdessen runterbremst als wäre sie gerade auf rot gesprungen, schlägt meine Faust wie von selbst auf die Hupe und klebt dort für Dauerton. Sie macht eine Geste wie "HerrgottnochmalkannmanhiernichtmalinRuheseinNaviprogrammieren?" und ich würde gerne aus dem Wagen springen und ihr höchstpersönlich den Führerschein abnehmen, aber stattdessen schaue ich, daß ich zügig an ihr vorbeiziehe.
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a)
Ich im Baumarkt. Will Blumendünger kaufen. Wo ich schonmal da bin, kaufe ich auch noch ein paar Blumen, weil die Stiefmütterchen vom Frühjahr nun doch größtenteils hin sind. Und dann, achja! brauche ich ja noch Abdeckplättchen für Schraubköpfe, die sind bei den Schrauben. Ich steuere in den Gang, wo natürlich genau die Farbe und Größe, die ich brauche, ausverkauft ist. Bei der Nachordermentalität in dem Baumarkt sind die wahrscheinlich frühestens in 8 Wochen wieder zu haben. Nehme ich halt noch eine Aluleiste mit, quasi ein Spoiler (aka Spritzwassserschutz für Kanten, über die Wasser in die Spanplatte dringen könnte) für unseren neuen Waschtisch.
An der Kasse lege ich die Leiste zuerst auf's Band und frage dann das junge Ding "Hätten Sie vielleicht einen Karton für mich, für die Blumentöpfe?", denn der Baumarkt hat kostenlose Faltkartons für solche Zwecke vorrätig, ich bin ja nicht das erste mal da.
Das junge Ding schaut mich erst fragend an und schaut sich dann betont lustlos in ihrem Kassenbereich um, öffnet eine Schublade, schließt sie wieder, schaut einmal in den Fußraum, schaut dann wieder mich an und blökt: "Da müssen Sie an der anderen Kasse fragen." Ich bin direkt pissed. Kann die ihren Arsch nicht bewegen? Na dann... "Ok, dann gehe ich zur anderen Kasse", sage ich, worauf sie sagt "Nein, das geht nicht, ich habe das hier schon eingebongt!" und weist auf die Aluleiste. Ich, noch mehr pissed, geht wortlos zur anderen Kasse und stelle mich dort an, wohlgemerkt ohne meine Waren, die lasse ich einfach bei Madame stehen. Leider verhindert ein Kassiervorgang an der anderen Kasse, daß mir direkt geholfen wird und so stehe ich eine Weile dort wartend, als es in meinem Rücken ruft "Wir haben Kartons gefunden, Sie können zurückkommen!" und ich sehe die kleine Chica mit einem diensteifrigen Kollegen, der wahrscheinlich nach Feierabend gerne mit ihr... ach, wasweißich..ich bin wahrscheinlich bloß so eine griesgrämige Alte mit schlechter Laune.
Aber ich frage mich, warum nicht gleich so???
b)
Wenn die Abdeckplättchen dagewesen wären und die Chica mich nicht so lange aufgehalten hätte, wäre ich wahrscheinlich noch pünklich genug daheim gewesen, um den Zug in den Nachbarstadt zu bekommen. War ich aber nicht. Also mußte ich mit dem Auto fahren, um pünktlich zum Sport zu gelangen. Weil der Weg mir nicht so geläufig ist, fahre ich einen Umweg, um mir bekannte Punkte passieren zu können. An einer Ampel steht vor mir ein Wagen, dessen Fahrerin irgendetwas nestelt und nicht mitbekommt, daß grün ist. Kein Thema. Kurz gehupt, die bemerkt es und fährt an. Nach dem Abbiegen schlingert sie aber etwas herum und zu spät verstehe ich, daß sie mich überholen lassen wollte. Leider war ich zu beschäftigt, eine Karambolage zu verhindern. Nun fährt sie vor mir her und programmiert offenbar ihr Navigationsgerät. Ey, geht's noch? Und ist hier Spielstraße, oder was? Ich meine, man kann ja zur nächsten Haltemöglichkeit fahren, sich an den Straßenrand stellen und alles in Ruhe machen. Stattdessen blockiert, nein, gefährdet diese Bratze den Straßenverkehr und obendrein mich und mein persönliches Wohlbefinden. Als sie auf eine Ampel zufährt, die gerade grün wird, aber stattdessen runterbremst als wäre sie gerade auf rot gesprungen, schlägt meine Faust wie von selbst auf die Hupe und klebt dort für Dauerton. Sie macht eine Geste wie "HerrgottnochmalkannmanhiernichtmalinRuheseinNaviprogrammieren?" und ich würde gerne aus dem Wagen springen und ihr höchstpersönlich den Führerschein abnehmen, aber stattdessen schaue ich, daß ich zügig an ihr vorbeiziehe.
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Montag, 27. Juni 2011
[Der Waschtisch]
midori, 18:28h
Die Geschichte mit dem Waschtisch ist so lang wie die Geschichte unseres Zusammenlebens.
Und sie ist, das gebe ich allerdings ungerne zu, auch eine Geschichte meiner Unvernunft.
Und eine Geschichte unserer beider Schwächen.
Aber zum Anfang.
Als wir, der Lieblingsmensch und ich, zusammenzogen, wurde ja die Wohnung, in die wir zogen, runderneuert. Ich wollte gerne alles schön und chic haben und weil das Bad sehr klein war und keine Möglichkeit bietet, einen Schrank für meine überzahlreichen Badaccessoirs aufzustellen, bestand ich auf einem Waschtisch mit Aufsatzbecken. Leider waren die gläsernen Becken allesamt sehr teuer, doch das brachte mich mitnichten dazu, von meiner festgefahrenen Vorstellung Abstand zu nehmen. Und auch die Warnungen einer Freundin, man müsse diese Glasteile jeden Tag putzen, sonst sähen sie schäbig aus, schlug ich in den Wind. Schließlich fand ich in der e-bucht ein tolles Designerteil und bald stand der Karton vor der Tür.
Von einem guten Bekannten ließen wir uns noch Wandhalterungen für die Ablageplatte drehen und ich freute mich.
Die Unstimmigkeiten begannen damit, daß der Miteigentümer, den wir damals ja noch nicht in der Weise kannte wie heute, seinerzeit zwar gesagt hatte, wir könnten an der Gestaltung des Bades mitwirken, diese Aussage jedoch rein theoretischer Natur war, sprich: er machte einen Vorschlag und wir versuchten ihn davon abzubringen, was uns aber nicht gelang. Und obwohl weithin sichtbar war, daß das Glas des Waschtischs eine grüne Färbung aufwies, lagen dann im Bad eines Tages trotzdem terracottafarbene Fliesen nebst Zierleisten mit silberglänzenden Applikationen.
Mein schöner Waschtisch paßte also nicht in das Bad. Oder das Bad paßte farblich nicht um den Waschtisch. Wie man es auch drehte.
Der Installateur, der den Waschtisch montierte, fluchte über die schlechte Konstruktion. Aber ich war im Sturheitsmodus und ignorierte das.
Doch nach der Installation zeigten sich weitere Haken.
So war die Nische für den Waschtisch, wie auch alle übrigen Ecken der Altbauwohnung, selbstverständlich nicht rechtwinklig. Der Abstand zur Wand war zu groß, um ihn mit Silikon zu verschließen. Und nicht zuletzt verhinderten auch unsere wunderbaren sondergefertigten Wandhalterungen, daß die Platte bündig zur Wand schloß, so daß in den folgenden Jahren das Wasser regelmäßig seinen Weg hinter die Platte fand, dann auch zwischen Platte und Metallhalterung, auf der sie auflag und wo ein Trocknen und Reinigen unmöglich war. Und natürlich war die Platte stets mit meinen überzahlreichen unbedingt täglich erforderlichen Badaccessoirs vollgemüllt, so daß eine Reinigung „mal so eben“ eigentlich unmöglich war.
Und so hatte ich dann statt des schönen Designerteils im Badezimmer ein von den Blicken anderer stets verborgen gehaltenes irgendwann aus Putzunlust verkalktes Grauen, das sich allen Versuchen, hier noch etwas Ansehnliches zu zaubern, standhaft widersetzte.
Es war in einem Sommer, keine 2 Jahre wohnten wir nun in der Wohnung, ich bereitete gerade den Geburtstagskuchen für den Lieblingsmenschen zu, als der Waschtisch begann zu lecken. Als ich versuchte, hier ein wenig zu ziehen und zu drehen, brach der Abfluß und ich in Tränen aus.
Der Liebste, nicht ahnend, daß ich zu Hause war (heimlich Torte backend), erwischte mich am Telefon noch mit verschniefter Stimme und konnte sich keinen Reim darauf machen, denn ich konnte ja nicht sagen, daß ich zu Hause war und ich konnte auch nicht sagen, was geschehen war und außerdem schämte ich mich, denn ich hatte ja seinerzeit auf diesem Waschtisch bestanden, der uns nur Schande und Ärger brachte statt Freude und sich nun auch noch als qualitativ minderwertig herausstellte.
Es begann die erste Phase unseres Lebens ohne Waschbecken, zum Glück hatten wir ja eine Wanne.
Es gelang mir tatsächlich, beim e-bucht-Händler auf Garantie noch Ersatzteile für den Abfluß zu bekommen und reparierte das Unglück und es leckte nicht mehr, außer da, wo hinten das Wasser über die Platte lief, wenn man nicht umsichtig war…
Irgendwann, ich weiß nicht mehr wann, leckte es wieder. Die ganze Konstruktion der Auflage war wackelig und da wir ja auch keinen Schrank hatten, sondern lediglich eine Provisoriumskiste, die unter dem Waschtisch stand, in der sich Dinge wie Fön, Bürsten und andere Dinge befanden, tropfte es in die Kiste hinein und ich vergoß wieder einmal Tränen.
Es dauerte dennoch lange, bis wir uns entschlossen, auf die Suche nach einer Alternative zu gehen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und „keine Zeit“ wäre zwar keine Lüge, aber es ist ja auch eine Frage der Prioritäten, ob man es mit dem ungeliebten Stück noch eine Weile aushalten kann oder nicht. Zudem gab es auf beiden Seiten wohl die unausgesprochene Unsicherheit, was wohl geschenen würde, wenn wir dieses Projekt tatsächlich angingen. Würden wir das Haus unter Wasser setzen? Würden Leitungen bersten? Würde ein neuer Waschtisch wohlmöglich auch gleich wieder Leck schlagen? Und was paßte überhaupt? Kurzum: es war alles gar nicht so einfach.
Es war eher ein Zufall, daß wir in einem Baumarkt fündig wurden. Die Breite stimmte. Aber es war eine Hängekonstruktion und die Altbauwände bei uns hielten kaum die Gardinen… Ich könnte ja einen Unterbau basteln, bot ich an, und der neue Waschtisch wurde bestellt.
Er kam nach einigen Wochen Lieferzeit und wir packten gespannt aus. Das Becken war zerborsten.
Beiderseitiges Seufzen begleitete den Rücktransport zum Baumarkt. Und mit dem mehrwöchigen Warten auf Ersatz war auch irgendwie die Energie verpufft, um das Projekt fortzuführen.
Der neue Waschtisch kam. Und ich mobilisierte noch die letzten Energiereserven, baute einen Unterbau auf Füßen, wir stellten nach Wochen beide Teile über einander. Doch statt uns zu freuen, waren wir unsicher. Sooo toll war mein selbstgemachter Kasten nicht geworden. Und an dem Waschbecken war außerdem noch eine Ecke abgebröselt. Doch unmöglich, das Ding jetzt zurückzubringen, keiner würde uns abnehmen, daß diese Macke schon vorher dortgewesen war.
So stand der neue Waschtisch also im Wohnzimmer und harrte der Dinge.
Ich kann mich erinnern, daß der Ficus Schmierläuse bekam, deren Schmiere auch auf dem Waschtisch klebte. Aber keine Reaktion.
Als sich Familienbesuch ankündigte, blickten wir uns ratlos an. Wohin mit dem Teil? Es mußte seinen Fensterplatz räumen und wurde nun zwischen Sekretär und Schrankwand geklemmt. Eine Decke verhing die Konstruktion und sollte unangenehme Fragen abwehren.
Und da stand er dann. Und stand. Und stand. Er diente als Ablage für Kleidung oder andere Dinge. Er versperrte den Weg zur äußersten Schranktür, aber dort mußte man nur selten ran.
Der Waschtisch im Bad leckte mal mehr und mal weniger. Manchmal stellten wir einen Eimer darunter, die Kiste mit dem Fön und den anderen Sachen schoben wir weiter nach hinten.
Wir lebten friedlich alle miteinander. Aber diese unerledigte Sache belastete uns und wurde nicht angesprochen. Es war wie ein Pakt, ein Tabu. Keiner rührte daran.
Vor etwa drei Wochen lief dann die Kiste mit dem Fön voll Wasser. Also, nicht ganz voll, nur eben so viel, daß man sie ausräumen mußte und fluchte wegen der Schweinerei. Ich drehte das Wasser ab.
Es begann die zweite Phase des Lebens ohne Waschtisch. Aber wir haben ja eine Badewanne und noch sind wir ja jung genug und gelenkig genug, um uns zu behelfen.
Und dann sagte der Liebste: „Es kommt doch das lange Wochenende, laß uns das mit dem Waschtisch erledigen.“
Mir war mulmig. Ok, was brauchten wir? Eine Mischbatterie, einen Abfluß, Silikon…. Wir sichteten die vorhandenen Teile. Siphon war da, Überlauf war da.
Am Donnerstag kam ich vom Sport und der Liebste war involviert in ein längeres Telefonat und so schritt ich zur Demontage.
Was soll man sagen? Es war knifflig. Ich holte mir Hämatome. Aber irgendwann war das siffige Ding runter.
Freitag fuhren wir in den Baumarkt, wo wir unschlüssig vor den Mischbatterien herumlungerten. Eine ausgesucht, dann unsicher wegen des Abflusses, aber die Mitarbeiterin vor Ort, total auf Zack die Dame, sagte: „Ist alles drin, sie brauchen nur noch den Siphon!“
Wir fuhren glücklich von dannen.
Die Montage verlief nicht reibungslos und so ganz haben wir auch nicht jeden Schritt bedacht, so daß jetzt die Schublade nach vorne ein wenig übersteht, aber letztlich haben wir es geschafft, das Ding steht, es gibt eine Silikonabdichtung, nichts leckt mehr und es gibt eine Schublade für überzahlreiche Badezimmeraccessoirs. Ok, für den Kasten unten müßte man noch Schubkästen besorgen und die vermackelte Ecke müßte man auch noch kleben, immerhin haben wir die Bruchstückchen liebevoll in ein leeres Döschen befördert, aber ganz ehrlich: kaum etwas ist vergleichbar mit der Erleichterung, die sich mit der Auflösung eines derartig über die Jahre angewachsenen Prokrastinationskloß einstellt!
Nur: im Wohnzimmer klafft jetzt diese ungewohnte Lücke neben dem Sekretär und der Liebste weiß jetzt auch nicht mehr so recht, wohin mit seinen Klamotten…..
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Und sie ist, das gebe ich allerdings ungerne zu, auch eine Geschichte meiner Unvernunft.
Und eine Geschichte unserer beider Schwächen.
Aber zum Anfang.
Als wir, der Lieblingsmensch und ich, zusammenzogen, wurde ja die Wohnung, in die wir zogen, runderneuert. Ich wollte gerne alles schön und chic haben und weil das Bad sehr klein war und keine Möglichkeit bietet, einen Schrank für meine überzahlreichen Badaccessoirs aufzustellen, bestand ich auf einem Waschtisch mit Aufsatzbecken. Leider waren die gläsernen Becken allesamt sehr teuer, doch das brachte mich mitnichten dazu, von meiner festgefahrenen Vorstellung Abstand zu nehmen. Und auch die Warnungen einer Freundin, man müsse diese Glasteile jeden Tag putzen, sonst sähen sie schäbig aus, schlug ich in den Wind. Schließlich fand ich in der e-bucht ein tolles Designerteil und bald stand der Karton vor der Tür.
Von einem guten Bekannten ließen wir uns noch Wandhalterungen für die Ablageplatte drehen und ich freute mich.
Die Unstimmigkeiten begannen damit, daß der Miteigentümer, den wir damals ja noch nicht in der Weise kannte wie heute, seinerzeit zwar gesagt hatte, wir könnten an der Gestaltung des Bades mitwirken, diese Aussage jedoch rein theoretischer Natur war, sprich: er machte einen Vorschlag und wir versuchten ihn davon abzubringen, was uns aber nicht gelang. Und obwohl weithin sichtbar war, daß das Glas des Waschtischs eine grüne Färbung aufwies, lagen dann im Bad eines Tages trotzdem terracottafarbene Fliesen nebst Zierleisten mit silberglänzenden Applikationen.
Mein schöner Waschtisch paßte also nicht in das Bad. Oder das Bad paßte farblich nicht um den Waschtisch. Wie man es auch drehte.
Der Installateur, der den Waschtisch montierte, fluchte über die schlechte Konstruktion. Aber ich war im Sturheitsmodus und ignorierte das.
Doch nach der Installation zeigten sich weitere Haken.
So war die Nische für den Waschtisch, wie auch alle übrigen Ecken der Altbauwohnung, selbstverständlich nicht rechtwinklig. Der Abstand zur Wand war zu groß, um ihn mit Silikon zu verschließen. Und nicht zuletzt verhinderten auch unsere wunderbaren sondergefertigten Wandhalterungen, daß die Platte bündig zur Wand schloß, so daß in den folgenden Jahren das Wasser regelmäßig seinen Weg hinter die Platte fand, dann auch zwischen Platte und Metallhalterung, auf der sie auflag und wo ein Trocknen und Reinigen unmöglich war. Und natürlich war die Platte stets mit meinen überzahlreichen unbedingt täglich erforderlichen Badaccessoirs vollgemüllt, so daß eine Reinigung „mal so eben“ eigentlich unmöglich war.
Und so hatte ich dann statt des schönen Designerteils im Badezimmer ein von den Blicken anderer stets verborgen gehaltenes irgendwann aus Putzunlust verkalktes Grauen, das sich allen Versuchen, hier noch etwas Ansehnliches zu zaubern, standhaft widersetzte.
Es war in einem Sommer, keine 2 Jahre wohnten wir nun in der Wohnung, ich bereitete gerade den Geburtstagskuchen für den Lieblingsmenschen zu, als der Waschtisch begann zu lecken. Als ich versuchte, hier ein wenig zu ziehen und zu drehen, brach der Abfluß und ich in Tränen aus.
Der Liebste, nicht ahnend, daß ich zu Hause war (heimlich Torte backend), erwischte mich am Telefon noch mit verschniefter Stimme und konnte sich keinen Reim darauf machen, denn ich konnte ja nicht sagen, daß ich zu Hause war und ich konnte auch nicht sagen, was geschehen war und außerdem schämte ich mich, denn ich hatte ja seinerzeit auf diesem Waschtisch bestanden, der uns nur Schande und Ärger brachte statt Freude und sich nun auch noch als qualitativ minderwertig herausstellte.
Es begann die erste Phase unseres Lebens ohne Waschbecken, zum Glück hatten wir ja eine Wanne.
Es gelang mir tatsächlich, beim e-bucht-Händler auf Garantie noch Ersatzteile für den Abfluß zu bekommen und reparierte das Unglück und es leckte nicht mehr, außer da, wo hinten das Wasser über die Platte lief, wenn man nicht umsichtig war…
Irgendwann, ich weiß nicht mehr wann, leckte es wieder. Die ganze Konstruktion der Auflage war wackelig und da wir ja auch keinen Schrank hatten, sondern lediglich eine Provisoriumskiste, die unter dem Waschtisch stand, in der sich Dinge wie Fön, Bürsten und andere Dinge befanden, tropfte es in die Kiste hinein und ich vergoß wieder einmal Tränen.
Es dauerte dennoch lange, bis wir uns entschlossen, auf die Suche nach einer Alternative zu gehen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und „keine Zeit“ wäre zwar keine Lüge, aber es ist ja auch eine Frage der Prioritäten, ob man es mit dem ungeliebten Stück noch eine Weile aushalten kann oder nicht. Zudem gab es auf beiden Seiten wohl die unausgesprochene Unsicherheit, was wohl geschenen würde, wenn wir dieses Projekt tatsächlich angingen. Würden wir das Haus unter Wasser setzen? Würden Leitungen bersten? Würde ein neuer Waschtisch wohlmöglich auch gleich wieder Leck schlagen? Und was paßte überhaupt? Kurzum: es war alles gar nicht so einfach.
Es war eher ein Zufall, daß wir in einem Baumarkt fündig wurden. Die Breite stimmte. Aber es war eine Hängekonstruktion und die Altbauwände bei uns hielten kaum die Gardinen… Ich könnte ja einen Unterbau basteln, bot ich an, und der neue Waschtisch wurde bestellt.
Er kam nach einigen Wochen Lieferzeit und wir packten gespannt aus. Das Becken war zerborsten.
Beiderseitiges Seufzen begleitete den Rücktransport zum Baumarkt. Und mit dem mehrwöchigen Warten auf Ersatz war auch irgendwie die Energie verpufft, um das Projekt fortzuführen.
Der neue Waschtisch kam. Und ich mobilisierte noch die letzten Energiereserven, baute einen Unterbau auf Füßen, wir stellten nach Wochen beide Teile über einander. Doch statt uns zu freuen, waren wir unsicher. Sooo toll war mein selbstgemachter Kasten nicht geworden. Und an dem Waschbecken war außerdem noch eine Ecke abgebröselt. Doch unmöglich, das Ding jetzt zurückzubringen, keiner würde uns abnehmen, daß diese Macke schon vorher dortgewesen war.
So stand der neue Waschtisch also im Wohnzimmer und harrte der Dinge.
Ich kann mich erinnern, daß der Ficus Schmierläuse bekam, deren Schmiere auch auf dem Waschtisch klebte. Aber keine Reaktion.
Als sich Familienbesuch ankündigte, blickten wir uns ratlos an. Wohin mit dem Teil? Es mußte seinen Fensterplatz räumen und wurde nun zwischen Sekretär und Schrankwand geklemmt. Eine Decke verhing die Konstruktion und sollte unangenehme Fragen abwehren.
Und da stand er dann. Und stand. Und stand. Er diente als Ablage für Kleidung oder andere Dinge. Er versperrte den Weg zur äußersten Schranktür, aber dort mußte man nur selten ran.
Der Waschtisch im Bad leckte mal mehr und mal weniger. Manchmal stellten wir einen Eimer darunter, die Kiste mit dem Fön und den anderen Sachen schoben wir weiter nach hinten.
Wir lebten friedlich alle miteinander. Aber diese unerledigte Sache belastete uns und wurde nicht angesprochen. Es war wie ein Pakt, ein Tabu. Keiner rührte daran.
Vor etwa drei Wochen lief dann die Kiste mit dem Fön voll Wasser. Also, nicht ganz voll, nur eben so viel, daß man sie ausräumen mußte und fluchte wegen der Schweinerei. Ich drehte das Wasser ab.
Es begann die zweite Phase des Lebens ohne Waschtisch. Aber wir haben ja eine Badewanne und noch sind wir ja jung genug und gelenkig genug, um uns zu behelfen.
Und dann sagte der Liebste: „Es kommt doch das lange Wochenende, laß uns das mit dem Waschtisch erledigen.“
Mir war mulmig. Ok, was brauchten wir? Eine Mischbatterie, einen Abfluß, Silikon…. Wir sichteten die vorhandenen Teile. Siphon war da, Überlauf war da.
Am Donnerstag kam ich vom Sport und der Liebste war involviert in ein längeres Telefonat und so schritt ich zur Demontage.
Was soll man sagen? Es war knifflig. Ich holte mir Hämatome. Aber irgendwann war das siffige Ding runter.
Freitag fuhren wir in den Baumarkt, wo wir unschlüssig vor den Mischbatterien herumlungerten. Eine ausgesucht, dann unsicher wegen des Abflusses, aber die Mitarbeiterin vor Ort, total auf Zack die Dame, sagte: „Ist alles drin, sie brauchen nur noch den Siphon!“
Wir fuhren glücklich von dannen.
Die Montage verlief nicht reibungslos und so ganz haben wir auch nicht jeden Schritt bedacht, so daß jetzt die Schublade nach vorne ein wenig übersteht, aber letztlich haben wir es geschafft, das Ding steht, es gibt eine Silikonabdichtung, nichts leckt mehr und es gibt eine Schublade für überzahlreiche Badezimmeraccessoirs. Ok, für den Kasten unten müßte man noch Schubkästen besorgen und die vermackelte Ecke müßte man auch noch kleben, immerhin haben wir die Bruchstückchen liebevoll in ein leeres Döschen befördert, aber ganz ehrlich: kaum etwas ist vergleichbar mit der Erleichterung, die sich mit der Auflösung eines derartig über die Jahre angewachsenen Prokrastinationskloß einstellt!
Nur: im Wohnzimmer klafft jetzt diese ungewohnte Lücke neben dem Sekretär und der Liebste weiß jetzt auch nicht mehr so recht, wohin mit seinen Klamotten…..
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