Montag, 6. Dezember 2010
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Gestern anläßlich einer Assistenzstunde in der Tanzschule gewesen und dort den NT am Eingang getroffen, wo er von Neuankömmlingen die Kursgebühr kassierte.
Ich gesellte mich zu ihm und wir sprachen kurz miteinander und während des Gesprächs ließ ich einfließen, daß Nessie*, eine äußerst talentierte junge Dame, die auch in unserer "Leistungsgruppe" mittanzt, ja gerne Turnier tanzen würde und überlege in einen Verein zu wechseln, was ja sehr schade sei, da ihr Partner ja nicht wechseln wolle, also so Blabla, Tanzschulflurfunk. Im Grunde wollte ich darauf hinaus, daß der NT, wenn er von den Ambitionen der jungen Dame erführe, ihr vielleicht Förderung und Unterstützung anbieten könne, schließlich ist der Mann ja einer, der seit 35 Jahren Turnieren tanzt und da entsprechend Erfahrung und Titel aufzuweisen hat.
Was jetzt kam, hat bei mir aber ziemliche Bestürzung ausgelöst.
"Die Nessie möchte Turnier tanzen? Mit DER FIGUR? Also wenn die Turniere tanzen will, dann muß die erstmal abnehmen, also wenn die BEI MIR Turnieren tanzen wollte, dann würde ich die erstmal aufs Laufband schicken."
Ungelogen.
Mein Einwand, daß ich durchaus schon stark übergewichte Frauen gesehen habe, die sich besser bewegen konnten als der ganze Rest der Tanzschule: vergessen Sie's.

Das Gespräch fand ein abruptes Ende, da der Kurs startete, aber die Sätze des NT's hallten lange nach.

Nessie ist jung. Sie ist nicht fett. Ich würde sie als etwas pummelig bezeichnen, wenn überhaupt, sie ist auf jeden Fall sehr weiblich. Ihr Kondition ist ausgezeichnet. Talent ist vorhanden. Sie lernt schnell. Sie ist ehrgeizig. Sie kann sich bewegen. Was darüberhinaus spielt eine Rolle?

Ich kenne mich im Tanzsport nicht aus. Es mag ja vielleicht sein, daß es bei bestimmten Tänzen / Figuren etc. aufgrund der auftretenden Fliehkräfte für einen Mann schwierig werden kann, die Dame zu halten, wenn sie sich so zurücklegt, wie es die Ästhetik im Tanzsport offenbar erfordert. Ich würde denken, daß dies eine größere Rolle spielt, je höherklassig man tanzt, denn ich nehme an, daß in den unteren Klassen die Damen sich noch nicht so weit zurückbeugen und die Herren auch die erforderliche Kraft und Körperspannung noch nicht haben. Ich könnte mir auch vorstellen, auch wenn ich es nicht gutheiße, daß Wertungsrichter gewisse Ansprüche an die Physis einer Tänzerin stellen und daß man dann ggf. nicht mit besonders guten Platzierungen rechnen kann, wenn man diesen Ansprüchen nicht gerecht wird. Dennoch halte ich jugendliche Pummeligkeit vor dem Hintergrund dieser Überlegungen keinesfalls für ein Ausschlußkriterium, um in den Turniersport hineinzuschnuppern.

Was mich aber besonders gestört hat, war die Geisteshaltung, die aus diesen Sätzen für mich ablesbar war: Wer den ästhetischen Ansprüchen des NT nicht genügt, der hat es offenbar auch nicht verdient, Talent und Ehrgeiz egal, besonders gefördert zu werden.

Und kann man nicht gerade bei jungen Menschen viel zerstören? Was ist mit dem Selbstwertgefühl, dem Spaß am Tanzen, die Lust sich im Wettkampf zu messen? Was ist mit Eßstörungen? Was ist mit falschen Vorbildern? Und was ist letztlich, wenn sie erfährt, wie er über sie denkt - verliert dann nicht sein Brötchengeber einen zahlenden Kunden?

Kennt sich einer im Tanzsport gut aus? Wie ist das - haben da nur Bohnenstangen eine Chance?



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*Name von der Redaktion geändert

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Ein Schmunzeln kommt mir dann doch über das Gesicht, wenn ich mir vorstelle, wie das gewesen sein muß, als der Vermieter-Blockwart aus dem Erdgeschoß vom Dachgeschoßbalkon herunter auf unseren Balkon ein Beweisfoto schießen wollte und im frisch gefallenen Schnee die Botschaft "Hallo!" lesen mußte und dann nach Bekunden seines Sohnes, was wir aber erst aus zweiter Hand erfuhren, im Dreieck sprang, daß selbst dieser der Ansicht war, daß dies nun wirklich dem Anlaß nicht angemessen sei.


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Donnerstag, 2. Dezember 2010
[Das Experiment]
Daß ich gerne Sport treibe, ist wohl keinem hier verborgen geblieben.
Bis zum letzten Jahr ungefähr ging ich dieser Leidenschaft mit der Einstellung "je mehr desto besser" nach, nur irgendwann ging das nicht mehr - aus diversen Gründen.
Z.B. fingen wir an zu tanzen und das nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Mit zunehmendem Fortschritt konnte ich vor dem Tanzen auch keine Gewichte mehr stemmen, weil dann die Technik und die Körperspannung litten, hinterher war es zu spät, um noch groß zu trainieren.
Zum anderen muß ich sagen, daß ich jetzt mit fortgeschrittenem Alter, so ungerne ich es zugebe, doch mehr Renegerationszeit benötige und nicht mehr wie noch vor 5 Jahren wie ein Duracellhase Gas geben kann.
Zuguterletzt hat sich das Sportangebot an meinem Wohnort eklatant verschlechtert und ich verbiege mich schon enorm, um meine Lieblings-Step-Stunden besuchen zu können.
Alles in allem ist mein Zeitplan übervoll, wenn ich in den restlichen Timeslots noch Kurse im Studio besuche - wenn in den Timeslots wenigstens attraktive Kurse angeboten würden!

So um den letzten Jahreswechsel herum entdeckte ich (Internet! I love you!) etwas Neues, einen sogenannten Trend, der aber eigentlich gar nicht neu ist, sondern alte Techniken ausgräbt, die in Indien oder Russland schon vor 100 Jahren die Körper gestählt haben. Ganz neue Dimensionen taten sich auf, die Frage, was Fitness eigentlich ist, stellte sich mir auf neue Art und was nutzt der ganze Sport, wenn er einen im Alltag gar nicht unterstützt? Weniger kann mehr sein, also: weniger Trainieren mit größeren Effekten, das schien mir ein sehr attraktiver Gedanke.
Auf der Suche nach solchen Angeboten dann aber die Ernüchterung: München: check, Frankfurt: check, aber im Ruhrgebiet, einem der größten Ballungsräume des Landes: Fehlanzeige.

Der Sommer verging. Ich hatte mir einen Timer gekauft für's Intervalltraining. Auch ein Springseil, das ich mit dem Wissen von heute getrost im Müll entsorgen kann.

Bis dann meine Lieblings-Step-Trainerin plötzlich im Gesichtsbuch mit einem Hinweis um die Ecke kam: ein ihr bekannter Trainer begann gerade sein Angebot mit Workshops und ich so: Yeah!

Ein wenig skeptisch war ich ja schon, wie das so ist, wenn man einen Trainer nicht kennt und wenn man auch dieses neue Training noch nicht einschätzen kann. Kann man dem Braten trauen? Oder sind das wieder nur hohle Versprechungen?

Beim Workshop war ich leider die einzige Teilnehmerin, was mir vor Augen führte, wie skeptisch viele Leute neuen oder ungewöhnlichen Trainingsformen gegenüberstehen. Es gab Anmeldungen, viele sagten aber wieder ab und so verbrachten D. und ich 3 Stunden zu zweit.
Danach war ich überzeugt.

Was wir gemacht haben?
Wir haben mit Kettlebells trainiert bzw. er hat mich in das Training und einige Grundübungen eingewiesen.
(für fleißige Gugler mal nach Kettlebell, Clubbell, Crossfit, TRX und functional Fitness suchen).

Ich wollte unbedingt weitermachen, aber für ein Gruppentraining gab es noch zu wenig Interessenten.
Wie also die Durststrecke überwinden? Wie die Technik verbessern? Denn: Kettlebells sind nicht einfach irgendwelche Hanteln mit denen man Muskeln isoliert traininert, sondern man muß es tatsächlich erlernen, wie man seinen Körper bei den ballistischen Kräften, die beim Training auftreten, richtig einsetzt, um letztlich Übungen zu machen, die mehrere Körperpartien intensiv fordern, vor allem in ihrem Zusammenspiel.

In meiner Begeisterung habe ich dann ein 3-Monats-Paket Personal Training bei D. gebucht, damit ich zum einen vorankomme und zum anderen dann in der Lage bin, zu Hause mit meinen beiden Kugeln alleine, zeitunabhängig und zeitsparend zu trainieren.
Zwei Monate sind nun rum.
Einmal in der Woche verlasse ich das Büro für zwei Stunden, um mit D. eine Trainingseinheit zu absolvieren.
Ich bin pleite (Personal Training ist unglaublich teuer), aber auch glücklich, denn ich habe in diesen zwei Monaten unglaubliche Fortschritte gemacht, obwohl ich insgesamt (also zeitlich gesehen) viel weniger Sport treibe als vorher.
Mittlerweile beherrsche ich fortgeschrittene Kettlebell-Techniken, die mir vorher unmöglich erschienen waren und darüberhinaus habe ich mit dem TRX gelernt, wie weit man sich noch so herausfordern kann, wenn man plötzlich denkt, irgendeine Übung sei zu leicht geworden.

Mittlerweile fühle ich mich fit genug für die Workouts einer gewissen Website, wo eine (ehemalige?) Pornodarstellerin unglaubliche Dinge mit ihrem Körper anstellt (nein, nicht, was Sie jetzt denken, sie macht tatsächlich Sport, aber was für einen!) und ich werde schon wehmütig, daß der letzte Monat mit Training bei D. angebrochen ist.

Er motiviert mich, fordert mich und trotzdem überfordert er mich nicht - ein Jammer, daß ich nicht reich bin und ihn zweimal in der Woche treffen kann!
Heute hat er mir aber ein Geschenk gemacht: ich bekomme noch eine Stunde umsonst, weil es ihm Spaß macht, mit MIR zu trainieren.
Ja, kann das denn?
Und ich so: Yeah!



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