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Donnerstag, 14. Januar 2010
[Tick]
midori, 12:04h
Also, jeder hat ja so seine Vorlieben.
Der Liebste hat ja sein Hobby, das er mit viel Zeit- und Geldeinsatz betreibt, manchmal denke ich, da hätte man sicher schon eine Eigentumswohnung mit finanzieren können, aber nunja, ist ja sein Ding und ohne das wäre er sehr unglücklich und würde einfach verwelken, es gehört zu ihm.
Ich habe ja auch so meine Dinge, die gehen immer, die müssen sein, Bewegung, Sport, Action, dazu meine völlig chaotische Art, dann wieder erschöpft und faul sein und ein schlechtes Gewissen pflegen, Klamotten, Schminke (seit Neuestem) und Internet. Also ohne all den Kram bin ich irgendwie auch nur so wie amputiert.
Meine Mutter jedenfalls hat auch ihren Tick, die beschäftigt sich seit Jahren oder Jahrzehnten exzessiv mit den Themen Judentum und Drittes Reich, der Schuld der Deutschen (von der ich annehme, daß sie sie höchstpersönlich gerne auf sich nähme).
Natürlich habe ich einen jüdischen Namen bekommen und ich sehe jüdisch aus, so sagt sie immer, auch wenn in unserer Familie weit und breit keinerlei jüdische Wurzeln zu finden sind. Und während des 1000jährigen Reiches war meine Mutter noch ein Kind, das in den Wirren der Nachkriegszeit irgendwo im Norden Deutschlands strandete und dort zur Schule ging. Klar, der Vater, den sie nie kannte, der war schon ein Nazi, wohl auch ein Offizier, aber äh, man kannte den ja nicht, sie selbst kannte den ja nicht mal, aber Schuld, die hätte sie irgendwie ganz gerne, denke ich manchmal, damit sie büßen kann. Ist schon ein wenig seltsam.
Ein anderer Tick von ihr ist ihre Religiosität. Ich finde das ok, sie kann das ja machen.
Früher als wir klein waren, war das ja auch nett, daheim singen, in der Bibel lesen, zur Kirche gehen, Kirchenchor, Blockflöte, Kindergottesdienst, Beten bei Tisch und am Abend. Ist ok, hat mir jetzt nicht geschadet, aber ich habe dieses Konzept auch nicht weiter verfolgt, als ich erwachsen wurde.
Jedenfalls bekomme ich von meiner Mutter regelmäßig Geschenke, die nur aus ihrer Hand stammen können. So Bücher von Bruder Anselm oder Hans Küng, also Zeug, das ich irgendwie nicht lesen mag, und dann Bücher über die Deutschen, das Dritte Reich, Schicksale von Juden. Einmal war ein Glücksgriff dabei, ich hatte es nach dem Lesen des Klappentextes erst entnervt beiseite gelegt und innerlich die Augen verdreht, bis meine Schwester dann meinte, es sei ja sehr freizügig.
Gestern bekam ich dann mit der Post (nachträglich zu Weihnachten) wieder so ein Buch. "Opa war kein Nazi" heißt es. Und ein Kärtchen dazu, daß der eine Opa ja ein Nazi gewesen sein und der andere nicht. Naja, weiß ich doch.
Aber gewünscht hatte ich mir eigentlich den literarischen Katzenkalender.
Hmpf.
Vielleicht kann ich die Bücher später lesen, vielleicht interessiert mich das alles auch irgendwann, kann ich aber nicht sagen.
Ich käme nicht auf die Idee, meinem Liebsten jetzt ein paar Hanteln zu schenken und zu erwarten, daß er sich darüber freut. Ich würde meiner Mutter auch kein Makeup schenken, nur weil ich der Meinung bin, daß so ein wenig Farbe ihr gut tut.
Ich versuche da irgendwie bei der Person zu bleiben. Klar, wenn ich von irgendwas schwer begeistert bin, dann müssen manche Leute auch dran glauben, wie z.B. die I, der ich unlängst ein Paket mit Massagebutter geschenkt habe, die ich selbst ganz unwiderstehlich finde. Aber es paßte auch und sie hat sich gefreut.
Kann ich nicht erwarten, daß meine eigene Mutter sich damit beschäftigt, worüber ich mich freuen würde?
.
Der Liebste hat ja sein Hobby, das er mit viel Zeit- und Geldeinsatz betreibt, manchmal denke ich, da hätte man sicher schon eine Eigentumswohnung mit finanzieren können, aber nunja, ist ja sein Ding und ohne das wäre er sehr unglücklich und würde einfach verwelken, es gehört zu ihm.
Ich habe ja auch so meine Dinge, die gehen immer, die müssen sein, Bewegung, Sport, Action, dazu meine völlig chaotische Art, dann wieder erschöpft und faul sein und ein schlechtes Gewissen pflegen, Klamotten, Schminke (seit Neuestem) und Internet. Also ohne all den Kram bin ich irgendwie auch nur so wie amputiert.
Meine Mutter jedenfalls hat auch ihren Tick, die beschäftigt sich seit Jahren oder Jahrzehnten exzessiv mit den Themen Judentum und Drittes Reich, der Schuld der Deutschen (von der ich annehme, daß sie sie höchstpersönlich gerne auf sich nähme).
Natürlich habe ich einen jüdischen Namen bekommen und ich sehe jüdisch aus, so sagt sie immer, auch wenn in unserer Familie weit und breit keinerlei jüdische Wurzeln zu finden sind. Und während des 1000jährigen Reiches war meine Mutter noch ein Kind, das in den Wirren der Nachkriegszeit irgendwo im Norden Deutschlands strandete und dort zur Schule ging. Klar, der Vater, den sie nie kannte, der war schon ein Nazi, wohl auch ein Offizier, aber äh, man kannte den ja nicht, sie selbst kannte den ja nicht mal, aber Schuld, die hätte sie irgendwie ganz gerne, denke ich manchmal, damit sie büßen kann. Ist schon ein wenig seltsam.
Ein anderer Tick von ihr ist ihre Religiosität. Ich finde das ok, sie kann das ja machen.
Früher als wir klein waren, war das ja auch nett, daheim singen, in der Bibel lesen, zur Kirche gehen, Kirchenchor, Blockflöte, Kindergottesdienst, Beten bei Tisch und am Abend. Ist ok, hat mir jetzt nicht geschadet, aber ich habe dieses Konzept auch nicht weiter verfolgt, als ich erwachsen wurde.
Jedenfalls bekomme ich von meiner Mutter regelmäßig Geschenke, die nur aus ihrer Hand stammen können. So Bücher von Bruder Anselm oder Hans Küng, also Zeug, das ich irgendwie nicht lesen mag, und dann Bücher über die Deutschen, das Dritte Reich, Schicksale von Juden. Einmal war ein Glücksgriff dabei, ich hatte es nach dem Lesen des Klappentextes erst entnervt beiseite gelegt und innerlich die Augen verdreht, bis meine Schwester dann meinte, es sei ja sehr freizügig.
Gestern bekam ich dann mit der Post (nachträglich zu Weihnachten) wieder so ein Buch. "Opa war kein Nazi" heißt es. Und ein Kärtchen dazu, daß der eine Opa ja ein Nazi gewesen sein und der andere nicht. Naja, weiß ich doch.
Aber gewünscht hatte ich mir eigentlich den literarischen Katzenkalender.
Hmpf.
Vielleicht kann ich die Bücher später lesen, vielleicht interessiert mich das alles auch irgendwann, kann ich aber nicht sagen.
Ich käme nicht auf die Idee, meinem Liebsten jetzt ein paar Hanteln zu schenken und zu erwarten, daß er sich darüber freut. Ich würde meiner Mutter auch kein Makeup schenken, nur weil ich der Meinung bin, daß so ein wenig Farbe ihr gut tut.
Ich versuche da irgendwie bei der Person zu bleiben. Klar, wenn ich von irgendwas schwer begeistert bin, dann müssen manche Leute auch dran glauben, wie z.B. die I, der ich unlängst ein Paket mit Massagebutter geschenkt habe, die ich selbst ganz unwiderstehlich finde. Aber es paßte auch und sie hat sich gefreut.
Kann ich nicht erwarten, daß meine eigene Mutter sich damit beschäftigt, worüber ich mich freuen würde?
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Mittwoch, 13. Januar 2010
[alles Lüge]
midori, 16:06h
Heute habe ich gelogen.
Ich habe jemandem die Unwahrheit geschrieben.
Jemandem, den ich mag.
Mir war dabei sehr unbehaglich, aber mit der Wahrheit wäre mir noch unbehaglicher gewesen und einen Leidtragenden gibt es in der Angelegenheit im Grunde nicht.
Trotzdem: fühlt sich nicht gut an. Ich finde es sogar richtig doof.
Aber man kennt das ja, da kann man einer mehr oder minder unangenehmen Situation mit einer Verdrehung der Tatsachen oder einer angepaßten Realitätsschilderung, sprich: einer handfesten Lüge entgehen, anstatt sich vielleicht handfest outen zu müssen, daß die Situation für einen unangenehm ist, so unangenehm, daß man sie lieber vermeidet, auch wenn es zum eigenen Nachteil ist.
Vermeidung. Auch so ein Ding.
Ich bin ja auch nicht so ein Typ für die direkte Konfrontation, so direkt ins Gesicht und so. Aber trotzdem bin ich für Wahrheit und Integrität und versuche ehrlich zu sein, was mir auch schon erhebliche Nachteile eingebracht hat, insbesondere im Zwischenmenschlichen, aber das ist eine andere Sache, darauf will ich gar nicht hinaus.
Ich hätte jetzt viel lieber jemanden, der mir sagt, ja, ach, Schwamm drüber, ist schon ok, so eine kleine Lüge, sie tut niemandem weh, schon mal gar nicht der Person, die Du magst.
Aber da ist keiner.
Nur mein Gewissen. Und das sagt: nee, war nicht ok.
Hmpf.
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Ich habe jemandem die Unwahrheit geschrieben.
Jemandem, den ich mag.
Mir war dabei sehr unbehaglich, aber mit der Wahrheit wäre mir noch unbehaglicher gewesen und einen Leidtragenden gibt es in der Angelegenheit im Grunde nicht.
Trotzdem: fühlt sich nicht gut an. Ich finde es sogar richtig doof.
Aber man kennt das ja, da kann man einer mehr oder minder unangenehmen Situation mit einer Verdrehung der Tatsachen oder einer angepaßten Realitätsschilderung, sprich: einer handfesten Lüge entgehen, anstatt sich vielleicht handfest outen zu müssen, daß die Situation für einen unangenehm ist, so unangenehm, daß man sie lieber vermeidet, auch wenn es zum eigenen Nachteil ist.
Vermeidung. Auch so ein Ding.
Ich bin ja auch nicht so ein Typ für die direkte Konfrontation, so direkt ins Gesicht und so. Aber trotzdem bin ich für Wahrheit und Integrität und versuche ehrlich zu sein, was mir auch schon erhebliche Nachteile eingebracht hat, insbesondere im Zwischenmenschlichen, aber das ist eine andere Sache, darauf will ich gar nicht hinaus.
Ich hätte jetzt viel lieber jemanden, der mir sagt, ja, ach, Schwamm drüber, ist schon ok, so eine kleine Lüge, sie tut niemandem weh, schon mal gar nicht der Person, die Du magst.
Aber da ist keiner.
Nur mein Gewissen. Und das sagt: nee, war nicht ok.
Hmpf.
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