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Mittwoch, 18. März 2009
[Am Ende bleibt nur ein schaler Geschmack]
midori, 17:08h
Eigentlich habe ich sie nur angerufen, um zu fragen, ob sie denn nun heute endlich mal wieder kommt, zum Sport, sie die etwas tranige, die immer so gestresst ist, aber eigentlich nichts so richtig gebacken bekommt.
Nein, sie könne nicht, sie müsse zu ihrer Cousine, der Sohn habe Geburtstag. Was soll man machen?
Aber dann erzählt sie, daß sie am Donnerstag die Kündigung bekommen hätte.
Abgezeichnet hatte es sich ja schon länger.
Der Betrieb wird umstrukturiert, die Fusion mit einem anderen Betrieb steht bevor, nachdem ein Investor den Laden übernommen hat. Der langjährige Großkunde ist abgesprungen, nachdem der alte Chef (zwangsweise) gegangen ist und zwei aus ihrer Abteilung hätten dann auch schnell geguckt, daß sie woanders unterkommen. Der Rest hat praktisch nur noch abgewickelt und man hat gehofft, daß sie auf die anderen Abteilungen verteilt würden.
Aber stattdessen wurden hierfür neue Mitarbeiter eingestellt und sie wurde entsorgt.
Erinnerungen werden wach an das, was mir vor Jahren passiert ist.
Mein damaliger Chef hatte mich von den Kollegen isoliert, weil er mit mir zusammen im Büro sitzen wollte, um einen besseren Blick auf mein pralles Dekolleté zu haben. Irgendwann zog ich zurück zu den Jungs im Fünferbüro und wir hatten Spaß, aber der Zug war für mich abgefahren, weil die schon alles unter sich aufgeteilt hatten. Ich fand nicht hinein und bekam auch keine eigenen, eigentlichen Aufgaben, war nutzlos und wußte nichts mit meinen Tagen anzufangen. Aber im Grunde hatte keiner recht zu tun, Bierflaschen türmten sich vor der Tür, es wurden Filme runtergeladen und gespielt, die Arbeit war irgendwie Nebensache. Der Chef hatte ohnehin nichts im Griff.
Vielleicht war er sauer, daß ich mich ihm, der mich begrabscht und fast an mir vergangen hat, entzog. Er, der immer auf "wir sind ja Freunde" gemacht hatte, warnte mich nicht, obwohl er gekonnt hätte, und ließ mich ins offene Messer laufen.
"Komm mal eben mit", sagt er kurz angebunden und läßt mich über den langen Flur hinter ihm hertraben und ehe ich mich versehe, sitze ich im HR-Büro und man sagt mir, daß ich die nächste bin, die gehen muß.
Die Kollegen sind empört, sagen, warum wählt man die Leute nicht nach den Fähigkeiten aus, was sind eigentlich überhaupt die Kriterien?
Aber es hat keinen Zweck sich zu wehren, der Stärkere bekommt immer Recht und wenn sie einen los sein wollen, dann sind sie einen los, egal, ob es gerecht ist oder nicht, egal, ob man mehr kann als andere, ob man länger da ist, egal.
Am Ende mimt der Chef noch den Bedauernswerten, dem ja die Hände gebunden und der Mund verboten worden seien.
Jaja, Du Arschloch, denke ich, Freundschaft, das ist für Dich nur ein Wort, aber am Ende hast Du doch nur an Deinen Schwanz gedacht und an das Hemd, das noch näher ist als die Hose. Oder so.
Ich erinnere mich an das Gefühl, ich würde mich auflösen vor Angst, weil ich mich dem, was mir bevorstand, nicht gewachsen fühlte. Bewerben, einen guten Eindruck machen, motiviert und leistungsbereit sein, obwohl sich doch im Grunde nur noch Lähmung breit macht.
Ich denke daran, wie unmotiviert ich meiner Tätigkeit nachgehe und wie sehr es mich doch treffen würde, wenn ich sie verlöre, wie undankbar das doch im Grunde ist und wie abhängig ich in Wirklichkeit von diesem Job bin.
Der damalige Chef hat irgendwann nochmal geschrieben, per Mail, wollte sich mit mir treffen. Ich habe mich nichtmal getraut ihm zu sagen, was ich von ihm halte und was er menschlich angerichtet hat. War die Luft nicht wert, könnte man sagen, aber in Wirklichkeit war ich zu feige.
I tut mir leid, sie zieht solche Katastrophen irgendwie an und langsam ist sie müde, man sieht es ihr an, müder, als sie sonst ohnehin schon wirkt. Ihre Branche ist hart, mittlerweile gibt es fast nur noch Zeitverträge, am liebsten nimmt man die Jungen, die sind noch nicht so teuer; mit über 40 hat man einfach irgendwann schlechte Karten.
Ich denke: das könnte ich sein, bald, gar nicht mal so lange hin.
Ich habe Angst.
.
Nein, sie könne nicht, sie müsse zu ihrer Cousine, der Sohn habe Geburtstag. Was soll man machen?
Aber dann erzählt sie, daß sie am Donnerstag die Kündigung bekommen hätte.
Abgezeichnet hatte es sich ja schon länger.
Der Betrieb wird umstrukturiert, die Fusion mit einem anderen Betrieb steht bevor, nachdem ein Investor den Laden übernommen hat. Der langjährige Großkunde ist abgesprungen, nachdem der alte Chef (zwangsweise) gegangen ist und zwei aus ihrer Abteilung hätten dann auch schnell geguckt, daß sie woanders unterkommen. Der Rest hat praktisch nur noch abgewickelt und man hat gehofft, daß sie auf die anderen Abteilungen verteilt würden.
Aber stattdessen wurden hierfür neue Mitarbeiter eingestellt und sie wurde entsorgt.
Erinnerungen werden wach an das, was mir vor Jahren passiert ist.
Mein damaliger Chef hatte mich von den Kollegen isoliert, weil er mit mir zusammen im Büro sitzen wollte, um einen besseren Blick auf mein pralles Dekolleté zu haben. Irgendwann zog ich zurück zu den Jungs im Fünferbüro und wir hatten Spaß, aber der Zug war für mich abgefahren, weil die schon alles unter sich aufgeteilt hatten. Ich fand nicht hinein und bekam auch keine eigenen, eigentlichen Aufgaben, war nutzlos und wußte nichts mit meinen Tagen anzufangen. Aber im Grunde hatte keiner recht zu tun, Bierflaschen türmten sich vor der Tür, es wurden Filme runtergeladen und gespielt, die Arbeit war irgendwie Nebensache. Der Chef hatte ohnehin nichts im Griff.
Vielleicht war er sauer, daß ich mich ihm, der mich begrabscht und fast an mir vergangen hat, entzog. Er, der immer auf "wir sind ja Freunde" gemacht hatte, warnte mich nicht, obwohl er gekonnt hätte, und ließ mich ins offene Messer laufen.
"Komm mal eben mit", sagt er kurz angebunden und läßt mich über den langen Flur hinter ihm hertraben und ehe ich mich versehe, sitze ich im HR-Büro und man sagt mir, daß ich die nächste bin, die gehen muß.
Die Kollegen sind empört, sagen, warum wählt man die Leute nicht nach den Fähigkeiten aus, was sind eigentlich überhaupt die Kriterien?
Aber es hat keinen Zweck sich zu wehren, der Stärkere bekommt immer Recht und wenn sie einen los sein wollen, dann sind sie einen los, egal, ob es gerecht ist oder nicht, egal, ob man mehr kann als andere, ob man länger da ist, egal.
Am Ende mimt der Chef noch den Bedauernswerten, dem ja die Hände gebunden und der Mund verboten worden seien.
Jaja, Du Arschloch, denke ich, Freundschaft, das ist für Dich nur ein Wort, aber am Ende hast Du doch nur an Deinen Schwanz gedacht und an das Hemd, das noch näher ist als die Hose. Oder so.
Ich erinnere mich an das Gefühl, ich würde mich auflösen vor Angst, weil ich mich dem, was mir bevorstand, nicht gewachsen fühlte. Bewerben, einen guten Eindruck machen, motiviert und leistungsbereit sein, obwohl sich doch im Grunde nur noch Lähmung breit macht.
Ich denke daran, wie unmotiviert ich meiner Tätigkeit nachgehe und wie sehr es mich doch treffen würde, wenn ich sie verlöre, wie undankbar das doch im Grunde ist und wie abhängig ich in Wirklichkeit von diesem Job bin.
Der damalige Chef hat irgendwann nochmal geschrieben, per Mail, wollte sich mit mir treffen. Ich habe mich nichtmal getraut ihm zu sagen, was ich von ihm halte und was er menschlich angerichtet hat. War die Luft nicht wert, könnte man sagen, aber in Wirklichkeit war ich zu feige.
I tut mir leid, sie zieht solche Katastrophen irgendwie an und langsam ist sie müde, man sieht es ihr an, müder, als sie sonst ohnehin schon wirkt. Ihre Branche ist hart, mittlerweile gibt es fast nur noch Zeitverträge, am liebsten nimmt man die Jungen, die sind noch nicht so teuer; mit über 40 hat man einfach irgendwann schlechte Karten.
Ich denke: das könnte ich sein, bald, gar nicht mal so lange hin.
Ich habe Angst.
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Dienstag, 17. März 2009
[Assistieren - Hospitieren - Etablieren]
midori, 17:44h
In der Tanzschule sind der Liebste und ich nun so weit integriert, daß wir (er häufiger als ich) eifrig hospitieren und seit neuestem auch assistieren.
Man kann das ja mal ausprobieren und vielleicht, wer weiß, ergibt sich daraus ja auch mal das eine oder andere.
Hospitieren heißt: Single-Frauen, die unbedingt tanzen lernen wollen, deren Männer aber dazu entweder nicht vorhanden sind oder keine Lust haben, benötigen einen Hospitanden, der sie betanzt. Das gibt es auch in der anderen Geschlechterkonstellation, also Männer, die unbedingt tanzen lernen wollen, die aber irgendwie keine Frau dafür haben, werden betanzt.
Natürlich bemüht sich die Tanzschule, diese Leute erstmal miteinander zu kombinieren, was allerdings mit sehr viel Aufwand verbunden ist, zumal Menschen ja nicht unbedingt immer an den gleichen Tagen Zeit haben und dann vielleicht auch sehr unterschiedlichen Alters- oder Talentgruppen angehören. Mit einem Hospitanten (oder Hospitanden?), der schon etwas kann, tanzt es sich bedeutend leichter.
Der Stelzenmann und der Mann mit dem traurigen Gesicht sind die fleißigsten Hospitanten und aufgrund der vielen Übung sind sie auch die besten Tänzer. Also ermuntere ich den Liebsten, ihnen nachzueifern, was allerdings aus Zeitgründen nicht immer so gut funktioniert. Und dann ist es ja auch so, daß man nicht unbedingt dazulernt, wenn man sich als Neuhospitant erstmal aus den Anfängerstufen mit den rhythmusbefreiten 50+-Damen nach oben tanzen muß, um dann vielleicht mal ab Stufe 3-4 etwas mehr Sicherheit in der Führung zu bekommen.
Ich habe da allerdings auch schon die eine oder andere Überraschung erlebt. Der eine Herr, der recht streng roch, und der meinte, man müsse beim Tanzen unbedingt den Oberkörper hin- und herschunkeln, der außerdem die Tanzrichtungen nicht beherrschte und deshalb ständig auf Kollisionskurs lag, da fühlt man sich wie ein Nußschälchen auf hoher See bei starkem Wellengang, anders kann man es kaum sagen. Und da bringt auch das viele Hantieren mit den Hanteln nichts, gegen solche Naturgewalten kommt man nicht an.
Dann der schüchterne Herr, der einen immer so auf Abstand hält und zur Seite blickt, dafür hat er immer akkurat gebügelte Hemden an. Neulich habe ich ihn sogar mal am Bahnhof gesehen und er hat freundlich gewunken, was mich wirklich gewundert hat.
Assistieren heißt, daß man als "Experte" in den vollen Anfängerkursen auftritt und der Tanzlehrerin ein wenig Arbeit abnimmt, Hilfestellung gibt, einzählt, Schritte erklärt. Interessant dabei ist, daß die Dynamik innerhalb der Paare oft sehr ähnlich ist.
Frauen halten sich (zurecht, wie ich finde) für von Natur aus begabter, sich zur Musik zu bewegen, haben zu Beginn mehr Koordination und weniger Schwierigkeiten, die Schritte richtig zu setzen. Männer brauchen dafür etwas länger. Das führt dann dazu, daß zu Beginn immer die Frauen führen und ihren Männern erklären, was sie machen müssen. Die finden das doof, weil die Tanzlehrerin ja sagt, der Mann sei der Boss. Dann gibt es Streit und die Tanzlehrerin (oder der Assistent) muß kommen und das klären.
Der Anspruch ist denkbar gering, der an die Paare in Stufe 1 gestellt wird. Hauptsache, die Schritte klappen einigermaßen, Takt und Rhythmus sind erstmal egal, Stil sowieso, so daß man den Leuten lächelnd zunicken kann, wenn sie den ersten Schritt auf die 3 setzen oder aneinander wie im Ringkampf ziehen müssen, bis klar ist, in welche Richtung es gehen soll. Hauptsache, sie haben Spaß.
Assistieren ist aber auch anstrengend, und wenn man direkt hinterher selbst noch Unterricht hat, ist man irgendwie nicht mehr richtig fit, sehnt sich nach einer Käsestulle und nuckelt an seinem Wasser.
Und es kostet Zeit und so richtig hat man eigentlich nichts davon, außer daß die Leute denken, man könne so richtig was, was ja gar nicht stimmt, und am Ende trifft man sie auf der Straße und sie winken einem zu und man denkt, irgendwoher kennste die oder den, aber mir fällt das gerade .....
.
Man kann das ja mal ausprobieren und vielleicht, wer weiß, ergibt sich daraus ja auch mal das eine oder andere.
Hospitieren heißt: Single-Frauen, die unbedingt tanzen lernen wollen, deren Männer aber dazu entweder nicht vorhanden sind oder keine Lust haben, benötigen einen Hospitanden, der sie betanzt. Das gibt es auch in der anderen Geschlechterkonstellation, also Männer, die unbedingt tanzen lernen wollen, die aber irgendwie keine Frau dafür haben, werden betanzt.
Natürlich bemüht sich die Tanzschule, diese Leute erstmal miteinander zu kombinieren, was allerdings mit sehr viel Aufwand verbunden ist, zumal Menschen ja nicht unbedingt immer an den gleichen Tagen Zeit haben und dann vielleicht auch sehr unterschiedlichen Alters- oder Talentgruppen angehören. Mit einem Hospitanten (oder Hospitanden?), der schon etwas kann, tanzt es sich bedeutend leichter.
Der Stelzenmann und der Mann mit dem traurigen Gesicht sind die fleißigsten Hospitanten und aufgrund der vielen Übung sind sie auch die besten Tänzer. Also ermuntere ich den Liebsten, ihnen nachzueifern, was allerdings aus Zeitgründen nicht immer so gut funktioniert. Und dann ist es ja auch so, daß man nicht unbedingt dazulernt, wenn man sich als Neuhospitant erstmal aus den Anfängerstufen mit den rhythmusbefreiten 50+-Damen nach oben tanzen muß, um dann vielleicht mal ab Stufe 3-4 etwas mehr Sicherheit in der Führung zu bekommen.
Ich habe da allerdings auch schon die eine oder andere Überraschung erlebt. Der eine Herr, der recht streng roch, und der meinte, man müsse beim Tanzen unbedingt den Oberkörper hin- und herschunkeln, der außerdem die Tanzrichtungen nicht beherrschte und deshalb ständig auf Kollisionskurs lag, da fühlt man sich wie ein Nußschälchen auf hoher See bei starkem Wellengang, anders kann man es kaum sagen. Und da bringt auch das viele Hantieren mit den Hanteln nichts, gegen solche Naturgewalten kommt man nicht an.
Dann der schüchterne Herr, der einen immer so auf Abstand hält und zur Seite blickt, dafür hat er immer akkurat gebügelte Hemden an. Neulich habe ich ihn sogar mal am Bahnhof gesehen und er hat freundlich gewunken, was mich wirklich gewundert hat.
Assistieren heißt, daß man als "Experte" in den vollen Anfängerkursen auftritt und der Tanzlehrerin ein wenig Arbeit abnimmt, Hilfestellung gibt, einzählt, Schritte erklärt. Interessant dabei ist, daß die Dynamik innerhalb der Paare oft sehr ähnlich ist.
Frauen halten sich (zurecht, wie ich finde) für von Natur aus begabter, sich zur Musik zu bewegen, haben zu Beginn mehr Koordination und weniger Schwierigkeiten, die Schritte richtig zu setzen. Männer brauchen dafür etwas länger. Das führt dann dazu, daß zu Beginn immer die Frauen führen und ihren Männern erklären, was sie machen müssen. Die finden das doof, weil die Tanzlehrerin ja sagt, der Mann sei der Boss. Dann gibt es Streit und die Tanzlehrerin (oder der Assistent) muß kommen und das klären.
Der Anspruch ist denkbar gering, der an die Paare in Stufe 1 gestellt wird. Hauptsache, die Schritte klappen einigermaßen, Takt und Rhythmus sind erstmal egal, Stil sowieso, so daß man den Leuten lächelnd zunicken kann, wenn sie den ersten Schritt auf die 3 setzen oder aneinander wie im Ringkampf ziehen müssen, bis klar ist, in welche Richtung es gehen soll. Hauptsache, sie haben Spaß.
Assistieren ist aber auch anstrengend, und wenn man direkt hinterher selbst noch Unterricht hat, ist man irgendwie nicht mehr richtig fit, sehnt sich nach einer Käsestulle und nuckelt an seinem Wasser.
Und es kostet Zeit und so richtig hat man eigentlich nichts davon, außer daß die Leute denken, man könne so richtig was, was ja gar nicht stimmt, und am Ende trifft man sie auf der Straße und sie winken einem zu und man denkt, irgendwoher kennste die oder den, aber mir fällt das gerade .....
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